Geografen der Sensibilität

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Weil er mit der Haut arbeitet und es ihn herausfordert, Ungleichgewichte der Hautsensibilität zu behandeln, hat sich Claude Spicher (C. S.) an eine anatomische Darstellung gewagt: mit der Unterstützung von Nadège Desfoux und Pierre Sprumont hat er den «Atlas des territoires cutanés du corps humain» herausgegeben. Von Kopf bis Fuss oder, mit den Worten der Spezialisten, vom Trigeminal- bis zum Sacralabschnitt haben die Autoren die Verästelungen der Hautnerven beschrieben, welche Territorien genannt werden. Dieser Atlas zeigt in aller Öffentlichkeit den ungeahnten ­Einfluss von bestimmten Nerven. Kann sich also die Verästelung eines Interkostalnervs, der an einem Wirbel entspringt, bis in den Bauch ausbreiten? Folglich können nervöse Störungen entfernte Auswirkungen haben, wie ein Erdbeben, das sein Epizentrum Hunderte von Kilometern entfernt haben kann. «Verdauungs­probleme zusammen mit lumbalen Schmerzen», so sagt C. S., «haben ihren Ursprung vielleicht in einem Lumbalnerv.»

Dank diesem Atlas verfolgt der Praktiker den Weg, der von der Haut zum Nerv führt. Die Autoren gehen sozusagen gegen den Strom: Sie starten auf der Haut und enden beim Nerv. «Schmerzhafte Störungen haben ihren Ursprung oft in Läsionen des feinsten Nervengeflechtes; Läsionen, die unsichtbar sein können», sagt C. S. Durch diese Arbeit auf der Haut – die einmal hypersensibel, dann aber auch wieder eingeschlafen, brennend oder auch eisig sein kann – beruhigen die Spezialisten der somatosensorischen Rehabilitation die Nerven.

Spicher, C., Desfoux, N. & Sprumont, P. (2010). Atlas des territoires cutanés du corps humain: Esthésiologie de 240 branches. Montpellier, Paris: Sauramps médical. www.BookofSense.com

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