Das Säure-Basen-Gleichgewicht: ein Eckpfeiler unserer Gesundheit

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    In unserem Körper besteht ein pendelartiger Säure-Basen-Rythmus, der je nach Gewebe und Organ unterschiedlich aussieht. Als Ganzes widerspiegelt dieses Gleichgewicht die standige Anpassung des Organismus an die inneren und äusseren Lebensbedingungen. Dieser Vorgang ist Voraussetzung für eine gute Gesundheit. Durch die negativen Begleiterscheinungen des modernen Lebensstils kann das Säure-Basen-Gleichgewicht kippen, und es entsteht eine für den Körper schadliche Ubersauerung.

    Säurebildende Stoffwechselvorgänge

    Die biochemischen Reaktionen in unserem Körper können nur innerhalb eines sehr begrenzten pH-Bereichs ablaufen und kommen ausserhalb dieser Werte zum Erliegen. Der pH-Wert ist die Masseinheit zur Bestimmung des Sauregrads (0 bis 7) oder des Basengehalts (7 bis 14) einer Flüssigkeit. Neutral ist ein pH-Wert von 7. Da der Körper äusserst empfindlich auf pH-Veränderungen reagiert, kommt der effizienten Regulierung dieses Gleichgewichts eine wichtige Rolle zu. Diese Aufgabe übernehmen Puffersysteme. Sie schaffen ein für die Aktivitat der Enzyme und die lebenswichtigen biochemischen Reaktionen günstiges Säure-Basen-Milieu.

    Bei den Stoffwechselvorgängen entstehen im Körper als Zwischenprodukte ständig Säuren. Diese stammen hauptsächlich aus dem Abbau von Proteinen und werden in zwei Gruppen eingeteilt: «flüchtige» Säuren werden über die Lungen ausgeatmet und «nichtflüchtige» Säuren – langsamer und aufwändiger – durch die Nieren ausgeschieden.

    Entstehen im Körper (zum Beispiel auf Grund einer mangelnden Versorgung mit Vitaminen und Spurenelementen) nicht abbaubare Säuren oder besteht im Körper insgesamt ein Säureüberschuss (durch Stoffwechselvorgänge entstandene und über die Nahrung zugeführte Säuren), werden diese Säuren im Bindegewebe eingelagert.

    Auf Grund seiner Beschaffenheit wirkt dieses Körpergewebe wie ein Schwamm, der saure Abfallstoffe, die von Nieren und Lunge nicht ausgeschieden werden können, einlagert. Eine Übersäuerung tritt vorwiegend tagsüber auf, wenn der Körper in Bewegung ist und Nahrung zugeführt wird. Im Schlaf setzt das Bindegewebe die überschüssigen, während des Tages eingelagerten Abfallstoffe wieder frei.

    Überschüssige Säuren, die nicht abgebaut werden, sammeln sich über Jahre im Bindegewebe. Dieser Vorgang kann zu einer chronischen Gewebsazidose führen und beeintrachtigt den Säuerstofftransport und die Versorgung der Zellen und schafft damit ideale Voraussetzungen für die Entstehung von Krankheiten. Diese Übersäuerung kann verschiedenste Symptome zur Folge haben: starke Müdigkeit, Schlafstörungen, Verstopfung, übermassiges Schwitzen an Händen und Füssen, fettige Haut, Anfälligkeit für Infektionen usw.

    Bekämpfung der Gewebsazidose

    Ein «gesunder» Organismus besitzt ein gut funktionierendes Reinigungssystem. Falls der Körper nicht konstant zu vielen Säuren ausgesetzt ist, beseitigen die Ausscheidungsorgane (Nieren, Lunge, Leber, Haut und Darm)sämtliche Säuren Abfallstoffe. Die meisten chronischen Krankheiten (Rheuma, Diabetes, Nieren- und Blasenbeschwerden, Schilddrüsenüberfunktion, Krebs usw.) gehen mit einer starken Neigung zur Übersäuerung einher, die wiederum durch eine ungenügende Sauerstoffversorgung des Gewebes, Infektionen, Stress oder Medikamente wie Entzündungshemmer und Aspirin begünstigt wird.

    Um festzustellen, ob der Organismus mit zu vielen Abfallprodukten des Stoffwechsels belastet ist, kann der pH-Wert im Urin gemessen werden. Liegt dieser häufig unter dem Wert 7, deutet dies auf ein zu hohes Säurevorkommen im Gewebe hin. Dieser Wert wird im Allgemeinen zwei Mal täglich, morgens und abends, während 9 Tagen gemessen.

    Die Rolle der Ernährung

    Das Säure-Basen-Gleichgewicht lässt sich am ehesten wiederherstellen, wenn säurebildende Faktoren bekämpft werden, insbesondere durch eine entsprechende Ernährung. Nur in kleinen Mengen sollten proteinreiche Nahrungsmittel tierischen Ursprungs (Fleisch, Wurstwaren, Innereien, Fleischextrakte) konsumiert werden, da diese zahlreiche Säuren enthalten (Schwefel-, Salz-, Phosphor-, Salpeter- und vor allem Harnsäure). Proteine sind für den Organismus zwar wichtig, jedoch in deutlich geringeren Mengen, als sie in der heutigen Ernährung vorkommen. Raffinierte Getreide wirken ebenfalls säurebildend. Kaffee, Tee und Kakao enthalten viele Purine, die zur für das Gewebe äusserst toxischen Harnsäure abgebaut werden. Weisser Zucker, weisses Weizenmehl und daraus hergestellte Produkte sowie raffinierte Fette sind ebenfalls säurebildende Nahrungsmittel.

    Ideal ist zudem ein reichhaltiges Frühstück, ein durchschnittliches Mittagessen und ein leichtes Nachtessen. Die einzelnen Mahlzeiten sollten in Bezug auf die verschiedenen Nährstoffgruppen (Kohlenhydrate, Fette und Proteine) ausgewogen sein. Getreideprodukte und Früchte sollten vorwiegend am Morgen und zum Mittagessen eingeplant werden, das Nachtessen sollte zudem nicht zu viele tierische Fette und Proteine enthalten.

    Bei einer Neigung zur Übersäuerung sind basebildende Nahrungsmittel wie Gemüse, Früchte und Milch – die den Körper auch mit Mineralsalzen und Spurenelementen versorgen – empfehlenswert. Ideal sind auch richtig gelagerte Kartoffeln. Dank hohen Calcium- und Kaliumwerten weisen sie besonders gute basische Eigenschaften auf.

    Verschiedene Nahrungsmittel sind in Bezug auf den Säure-Basen-Gehalt ausgewogen und für anfallige Personen gut verträglich (Vollkornprodukte, grüne Bohnen, Weizenkeime, frische Butter usw.).

    Sauerstoff wirkt Wunder!

    Ein Spaziergang an der frischen Luft, Bewegung, ein Aufenthält in den Bergen … alle Aktivitäten, die den Stoffwechsel anregen und den Atemrhythmus beschleunigen, erhöhen den Abbau schwacher Säuren und tragen damit zu einer Entsäuerung des Körpers bei.

    Basische Nahrungsergänzungen?

    Bei vielen Personen lässt sich das Säure-Basen-Gleichgewicht nicht nur durch Ernährungsumstellungen mit weniger säurebildenden Nahrungsmitteln sowie günstigeren Lebensgewohnheiten herstellen. Oft reichen diese Massnahmen nicht aus. In diesem Fall sind basische Nahrungsergänzungen sinnvoll. Diese basischen Salze, die je nach Ausmass der Übersäuerung mehr oder weniger lang eingenommen werden, füllen die infolge von Säuren Stoffwechselprodukten erschöpften Basenreserven wieder auf. Auf diese Weise lösen sich überschüssige Säuren wieder aus dem Bindegewebe und werden – vorausgesetzt, der Körper wird mit genügend Flüssigkeit versorgt – langsam über die Nieren ausgeschieden.

    Zu empfehlen ist im Allgemeinen auch die Einnahme von Vitaminen und Spurenelementen, da diese zur Aktivierung der bei den Stoffwechselvorgängen des Körpers beteiligten Enzyme wichtig sind. Durch die Wiederherstellung des Säure-Basen-Gleichgewichts lassen sich zahlreiche, oft äusserst unangenehme Beschwerden vermeiden.

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